Nicole Wilhelm

Inspirationen-ABC

Hier findest du meine Gedanken zu den verschiedensten Themen des Alltags. Es kommen regelmäßig neue Gedanken dazu.

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Essen

Ich finde es wichtig, dass Kinder angstfrei Essen genießen können. Doch immer mehr Kinder haben Angst vor Essen. In einer dritten Klasse haben wir eine Sprechübung im Rahmen eines Theaterstücks gemacht. Die Kinder sollten in ansteigen der Lautstärke sagen: „Ich will Schokolade“, und wenn sie auf der sechsten und lautesten Stufe waren, bekamen sie ein Stück Schokolade. Ein Mädchen meinte daraufhin: „Ich esse keine Schokolade, davon bekomme ich Diabetes.“ Ein Junge kommentierte: „Ja, Krebs kann man davon auch kriegen.“

Als ich meiner Tochter davon erzählt habe, meinte sie: „Was waren das noch für schöne Zeiten, als ich noch nicht wusste, dass Eis Kalorien hat.“ Und das beschreibt sehr schön, wie sehr Kinder in der Lage sein können, ihr Essen zu genießen, ohne den gedanklichen Ballast, den die meisten Erwachsenen in ihren Köpfen haben.

Sicherlich ist Zucker ein großer Gesundheitsfeind, doch halte ich es für sehr wichtig, eine andere Art der Führung anzubieten, als Kindern Angst zu machen.

Wie kann das gehen? Ich glaube, wenn wir ein gut schmeckendes, gesundes Angebot machen, in einem freundlichen und netten Kontakt am Tisch, braucht es nicht mehr als das.

Denn Essen ist vor allem Gewohnheit. Wir gewöhnen uns an den Geschmack, ebenso an den emotionalen Zustand, in dem wir zusammen essen.

Der Geschmack: Bei meinem ersten Kind hatte ich die Vorstellung, dass das Abstillen allmählich vonstatten gehen würde, und im gleichen Maße mein Kind vom Familientisch mitessen würde. Soweit die Theorie. Es stellte sich heraus, dass mein Sohn zwar mit großer Begeisterung aß, jedoch musste das Essen fein püriert sein, alles andere würgte ihn.

Im Griechenlandurlaub wollte ich im Supermarkt für ihn Babygläschen kaufen. Mit großer Verwunderung stellte ich fest, dass es die bei uns übliche Geschmacksrichtung „Kartoffeln mit Möhre“ nicht gab, dafür aber Gläschen mit Schafskäse und Oliven.

Kinder gewöhnen sich schon während der Schwangerschaft an das in der Familie übliche Essen, später nehmen sie durch die Nase die Geruchsstoffe der angebotenen Nahrung wahr (das ist auch der Grund, warum Kinder kein Essen probieren müssen, um zu wissen, ob es ihnen schmeckt, denn diese Leistung verbringt alleine die Nase), und sie gewöhnen sich allmählich immer mehr zum Beispiel auch an Brokkoli. Wer darüber gerne mehr erfahren will, findet in dem Buch von Herbert Renz Polster „Kinder verstehen“ dazu viele Anregungen.

Deshalb ist es aus meiner Sicht völlig ausreichend, wenn wir Erwachsenen uns Gedanken über gesunde Ernährung machen und diese anbieten, ohne den Kindern diesen Kopfschmerz zu bereiten.

Auf unserem Tisch gab es immer einen Teller mit Rohkost, sodass sich alle jederzeit mit Möhren, Gurken, Paprika und so weiter versorgen konnten, abends war der Teller leer.

Ebenso wichtig finde ich die Stimmung, die am Tisch gelebt wird. Ist es ein Ort, wo jeder sein darf, wie er im Moment eben ist? Ist es freundlich und wohlwollend?

Zuweilen ist der Esstisch ein Ort, an dem Kinder ausgefragt werden.: Wie war es im Kindergarten? Hast du schon für die Arbeit gelernt? Doch eine bessere Stimmung entsteht nach meiner Erfahrung, wenn wir unser eigenes Leben und unsere eigenen Gedanken an diesem Tisch zur Verfügung stellen, auch als Einladung für alle, sich mitzuteilen.

Kurz: Wir sorgen für gute Nahrung und angenehme Stimmung, und die Kinder entscheiden dann, ob sie mit uns essen wollen, was und viel sie essen und auch, ob sie etwas zum Gespräch beitragen wollen.

Ein kleiner Ausblick: Wenn Kinder älter werden und vielleicht sogar ausziehen, spielen wir nicht mehr gemeinsam Lego oder lesen vor. Was wir gemeinsam tun, zum Beispiel bei Geburtstagen oder Weihnachten, ist oft gemeinsam essen. Und die Stimmung, die wir heute beim Essen miteinander etablieren, die trägt auch die Situationen in der Zukunft.

Ich wünsche euch guten Appetit, und wenn ihr mehr darüber lesen wollt, findet ihr viele Anregungen auch in dem Buch von Jesper Juul „Essen kommen“. Besonders gut gefallen mir darin die Tischmanieren für Eltern.

Helikopter- Eltern, Rasenmäher-Eltern, Zirkus-Eltern….

Um es gleich vorweg zu sagen: Mich ärgern diese Zuschreibung von Eltern sehr! Eltern heute begleiten ihre Kinder so engagiert und auf deren emotionale Gesundheit bedacht, wie es vermutlich in noch keiner Generation davor geschehen ist. Und man merkt es auch den Kindern an: Sie haben keine generelle Angst mehr vor Erwachsenen, sie gehen selbstbewusst durch ihr Leben und erwarten, dass man sie anständig behandelt. Sie wissen, dass sie Rechte haben und dass sie eine Würde haben. Danke, ihr Eltern, dass ihr neue Wege geht und dazu beitragt, dass Kinderrechte mehr und mehr in unser gesellschaftliches Bewusstsein kommen und Kinder ein gesundes Selbstgefühl entwickeln können.

Und wie immer, wenn man neue Wege geht, sind Fehler ein natürlicher Bestandteil eines solchen Weges. Um wirklich zu begreifen, wo die Grenzen und die Integrität von Kindern verlaufen, muss man sehr genau hinschauen. Und so kann es sein, dass wir mit einer riesigen Lupe schauen, wo die Grenzen unseres Kindes verlaufen, und manchmal verlieren wir dabei uns selbst oder die Grenzen anderer aus dem Blick. Das ist ja nicht besonders schlimm – denn wir alle sind Lernende. Und wenn ich feststelle, dass ich meine eigenen Grenzen und Bedürfnisse aus dem Blick verloren habe, dann kann ich ja daran etwas verändern.

Ich wünsche euch viel Freude bei eurer Reise!

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